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Kinder sind das wertvollste "Gut" jeder Gesellschaft und jeder Familie. Kinder repräsentieren die Zukunft. In Deutschland ist (noch) für die speziellen gesundheitlichen Belange der nachfolgenden Generationen, mit einem flächendeckenden Netz kinderärztlicher Betreuung, gesorgt. - Aber, gerade auf dem Land wird das Netz praktizierender Kinderärzte "löchrig".

Zukünftige Kinderärzte erhalten auf kidmed.de einen kurzen Überblick zur Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Den Schwerpunkt der Seite bildetet die historische Betrachtung der Kinderheilkunde.

Definition - Pädiatrie

Der Begriff "Pädiatrie" stammt aus dem griechischen "??????????? paidiatriké" und bedeutet sinngemäß kinderärztliche (Kunst) oder frei in Deutsche übersetzt Kinderheilkunde.

Verstanden wird die Kinderheilkunde als Entwicklungslehre des kindlichen, jugendlichen Organismus und als Lehre seiner Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten. Obwohl sich die Pädiatrie auf die ganze Bandbreite klinischer Kinder- und Jugendmedizin erstreckt, bildet die präventive Medizin einen deutlicheren Schwerpunkt, als in anderen medizinischen Fachbereichen.

Ausbildung zum Kinderarzt/zur Kinderärztin

Die Kinderheilkunde ist eine fachärztliche Ausbildung. Nach abgeschlossenem Medizinstudium erfordert die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin noch fünf weitere Ausbildungsjahre.

Im Rahmen der als "Weiterbildung" bezeichneten Facharztausbildung müssen die zukünftigen Kinderärzte zunächst für dreieinhalb Jahre in einer Kinderklinik arbeiten. Anschließend für sechs Monate auf der Kinderintensivstation. Die verbleibende Ausbildungszeit darf bei einem niedergelassenen Kinderarzt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst absolviert werden.

Zum Abschluss der fachärztlichen Ausbildung wird die Facharztprüfung vor der zuständigen Landesärztekammer abgelegt.

Frühe Geschichte der Pädiatrie - Steinzeit

Die Geschichte der Pädiatrie reicht bis in die Steinzeit zurück. Überliefert sind, aus der Zeit der Domestizierung erster Haustiere, bereits Kindererkrankungen, wie Rachitis und Hydrocephalus.

Behandlungsversuche durch Trepanation (das Öffnen der Schädeldecke beim Wasserkopf) können aus dieser Zeit nachgewiesen werden. Unklar bleibt, ob es sich um einen religiös motivierten Ritus handelte oder eine Druckentlastung auf das Gehirn, vor medizinischem Hintergrund.

Kinderheilkunde - Hochkulturen des Altertums

In den Hochkulturen des Altertums wurde Kinderheilkunde praktiziert. Historische, medizinische Zeugnisse der kinderheilkundlichen Behandlungen sind leider nur wenige überliefert. Der vorherrschende Glaube an Dämonen und Magie prägt die erhaltenen Mitteilungen. Nachweislich ist das Interesse an einer guten Säuglingspflege im alten Ägypten. Zahlreiche Skulpturen belegen es.

Einige Heilmittel waren ebenfalls bekannt. Beschrieben werden sie unter anderem im Papyrus Ebers. Brahmanischen Schriften, etwa aus der Zeit 500 vor Christus, gehen sogar ins Detail. Sie enthalten den ersten Hinweis, auf die perinatologische Untersuchung der Neugeborenen durch einen Arzt.

Aus dieser Zeit stammen außerdem die ersten Erwähnungen unterschiedlicher Kinderkrankheiten. Verschiedene Hautkrankheiten, Parasiten im Darm und Krankheiten, wie Wundstarrkrampf und Cholera waren u.a. bekannt. Erste chirurgische Eingriffe an Kindern werden dem "Kinderarzt" Jiwaka zugeschrieben.

Hippokrates von Kos - Leitbild des ärztlichen Standes

Hippokrates von Kos (etwa 460 bis 370 v. Chr.) ist nicht nur durch den Hippokratischen - Eid bekannt. Den klassischen Hippokratischen - Eid leisten Ärzte schon länger nicht mehr, da er keine Rechtswirkung entfaltet. Der ursprüngliche Eid dient dennoch als symbolisches Leitbild des ärztlichen Standes und geht weit über die Rechtswirkung einer Eidesformel hinaus.

In der Hinterlassenschaft des "ärztlichen Übervaters" finden sich etwa 200 Überlieferungen, die sich auf die Kinderheilkunde vorchristlicher Zeit beziehen. Belegbar sind genaue Beschreibungen bei Fieberkrämpfen. Außerdem berichtet Hippokrates von Kos über die heilige Krankheit - die Epilepsie.

Nach der Zeitenwende greift Soranus von Ephesus (98-117) das Thema Kinderheilkunde in seinem Werk auf. Er schreibt 23 Kapitel über Säuglingskrankheiten, von der Hygiene für Neugeborene, der Ernährung eines Säuglings bis zum Abstillen. Obwohl sich das Hauptwerk von Soranus von Ephesus der Gynäkologie widmete, gilt er dennoch als "Vater der Kinderheilkunde".

Findelkinder im Mittelalter

Findelkinder wurden, als soziale Verantwortung der Wertegemeinschaft, vermutlich etwa ab 787 in Mailand wahrgenommen. Entgegengewirkt werden sollte, durch den zunehmenden Einfluss des Christentums in Europa, der Aussetzung von Kindern.

Schwangeren, die ihr Kind später aussetzen wollten, wurde noch vor der Niederkunft Unterschlupf in speziellen geschaffenen Einrichtungen gewährt. Nach der Geburt durften die Mütter die Häuser verlassen. Ihre Kinder wurden bis zum Alter von sieben Jahren betreut.

Persischer Einfluss auf die Pädiatrie im Mittelalter

Den Einfluss der persischen Kinderheilkunde, auf die Pädiatrie in Europa, lässt sich am Beispiel des Arztes Rhazes (865-923) belegen. Er widmete sich in seinen medizinischen Abhandlungen gezielt der Kinderheilkunde. Die Hauptthemen waren:

- Wasserkopf
- Epilepsie
- Schielen
- Niesen
- Husten
- Erkrankungen der Kopfhaut
- Ohrenschmerzen
- Zahnschmerzen
- Mundfäule
- Erbrechen
- Wurmerkrankungen
- Durchfall
- Verstopfung
- Blasensteine
- Lähmungen
- Brüche
- Schlafstörungen

Den Gelehrten Europas wurden seine Erkenntnisse durch die Übersetzung in die lateinische Sprache zugängig. In den Schriften befanden sich damals außerdem detaillierte Beschreibungen über Masern und Pocken.

Buchdruck - Verbreitung medizinischer Erkenntnisse

Bis zur Renaissance und der Erfindung des Buchdrucks war nicht möglich, Wissen an ein größeres Fachpublikum zu vermitteln. Zahlreiche Mediziner nutzten das neue Medium, um Wissen zu verbreiten. Das erste gedruckte Buch mit dem Schwerpunkt Kinderheilkunde wird Paulus Bagellardus (auch: Paolo Bagellardi) zugeordnet.

Abgefasst war das 1472 veröffentlichte Werk in Latein. Es richtet sich gezielt an Mediziner. Bereits ein Jahr später publizierte Bartholomäus Metlinger das erste umgangssprachliche Buch "Ein Regiment der jungen Kinder" zur Kinderheilkunde. Metlinger unterteilt seine Abhandlung in zwei große Entwicklungsstufen.

Kinderheilkunde von der Geburt bis zum Erlernen des Gehens und Sprechens. Im zweiten Teil geht es um die Kindheit bis zum siebten Lebensjahr. Das vermutlich bekannteste Lehrbuch für Kinderheilkunde stammt aus dem 16. Jahrhundert. Professor Hieronymus Mercurialis formulierte den damaligen Kenntnisstand über kindliche Sprachstörungen.

Erkenntnisse jüngerer Zeit - Kindermedizin im Übergang zur Moderne

Bis etwa zum Anfang des 19. Jahrhunderts ging die Kindermedizin vorwiegend davon aus, dass Kinder kleine Erwachsene sind. Erst langsam erkannte die Medizin, dass Kinder eigene Krankheiten haben und auf Krankheiten anders reagieren als Erwachsene.

Eine Folge dieser Erkenntnis war, eigene Kinderstationen einzurichten, die sich auf der Behandlung junger Menschen konzentrierten. Mangelnde Erkenntnisse bei der Beachtung einfacher Hygienevoraussetzungen führten dazu, dass sich Infektionskrankheiten ungehindert ausbreiteten.

Untergebracht waren die Kinder vornehmlich in Gemeinschaftssälen mit 30 oder mehr Betten. Erst, die zunehmende Umsetzung einfachster Hygieneregeln sorgten dafür, dass der richtige Grundgedanke der Spezialisierung zum Erfolg wurde.

Geburtsstunde der Kindermedizin in Deutschland - erstes eigenständiges Fachgebiet

Die erste Professur für Kinderheilkunde in Deutschland erhielt im Jahr 1895 Otto Heubner, Leiter der Kinderklinik der Charité. Anfangs hatte Heubner mit starkem Widerstand etablierter Mediziner zu kämpfen. Sie waren keineswegs daran interessiert, die Pädiatrie als eigenständigen Fachbereich zu würdigen.

In den USA war die Entwicklung um 35 Jahre schneller. Etwa 1860 hatten Abraham Jacobi und L. Emmett Holt die Pädiatrie als eigenes Fach etabliert.